Carola Moosbach

Archiv

Besprechungen

Lobet Gott, die Eine

Von Gott in weiblicher Form zu sprechen, das ist für manche Frauen nicht nur die Würdigung der Weiblichkeit. Frauen, die missbraucht wurden, können Gott nicht mehr als gütigen, allmächtigen Vater anreden. Für sie ist es glaubens-notwendig, weibliche Begriffe zu finden. Auch Carola Moosbach, die gerade an ihrem vierten Gebetebuch arbeitet, kann und will Gott nur noch in weiblichen Bildern ansprechen.

"Jede Vergewaltigung ist ein Stiefeltritt in das Angesicht Gottes." Als Carola Moosbach bei der Lektüre theologischer Bücher auf Sätze wie diesen stieß, gaben sie ihr die Würde zurück, die sie als Kind bei der Vergewaltigung durch ihren Vater verloren hatte. Zu diesem Zeitpunkt war sie allerdings schon auf dem Weg der psychischen Gesundung. Davor lag der Zusammenbruch. Wie bei vielen Opfern von sexueller Gewalt hatte es auch bei Carola Moosbach bis zum dritten Lebensjahrzehnt gedauert, bis sie das Kindheitstrauma nicht mehr verdrängen konnte. Die gelernte Juristin brach zusammen und brauchte Jahre der Psychoanalyse, bis sie wieder stabiler wurde. Danach merkte sie verwundert, dass viele Fragen nach Gott in ihr aufstiegen, obwohl sie doch schon seit der Pubertät nichts mehr mit dem katholischen Glauben ihrer Eltern zu tun haben wollte. Sie begann zu lesen, unter anderem Texte der evangelischen Theologin Dorothee Sölle, und ihr wurde klar: "Wenn Gott auf der Seite der Opfer steht, wenn Gott mit vergewaltigt wurde, dann ist er an meiner und nicht an der Seite meines Vaters gewesen." Was dann begann, war ihr am Anfang eigentlich eher peinlich. Sie probierte aus, wie es ist, wieder mit Gott zu tun zu haben und ihn anzusprechen. Da sie kaum Gebete fand, die ihr wirklich gut taten und sie trugen, fing sie an, ihr eigenes Sprechen aufzuschreiben. Dabei war ihr allerdings klar, sie würde Gott nur in weiblicher Form ansprechen (siehe Gebet "Lobet die Eine"). "Der Ausgangspunkt war, mich von diesen Bildern des väterlichen, allmächtigen Gottes frei zu schreiben." Zudem war für sie notwendig, in ihren Gebeten erst alles, was sie verletzt hatte, zu sagen, "mit aller Wut und aller Kraft. Dann, als ich wirklich alles aus mir raus geschrieben habe, dann hat sich etwas geöffnet für Gott, da konnte Gott Raum gewinnen, nicht vorher." Inzwischen hat sie eine Vision von Gottessprache entwickelt. Sie geht nämlich heute davon aus, dass es zum Menschen dazugehört, Gott anzusprechen, Gott in Bildern und Symbolen auszudrücken: "Meine Vision von Gottessprache besteht darin, dass es nicht nur ein einziges Bild gibt und auch nicht kein Bild, sondern eine breite Palette von Gottesbildern." So werde am besten deutlich, wie letztendlich alle Bilder immer zu kurz greifen. Allerdings weiß sie, dass dafür die weibliche Gottessprache erst genauso selbstverständlich werden muss wie die männliche. Die bis heute vorherrschende Ansicht, dass die männliche Gottessprache vielleicht doch ein bisschen mehr zutreffe, als die weibliche, verhindert nach Ansicht von Carola Moosbach eine Weiterentwicklung. Vielmehr sollte man mehr darüber nachdenken, nach welchen Kriterien christliche Gottessprache heute überhaupt zu formulieren ist. Mit ihren Texten richtet sie sich natürlich vor allem an Überlebende von sexueller Gewalt. "Ich kenne es ja von mir selber, wie wichtig es ist, auch mit so einer Vorgeschichte einen religiösen Weg zu finden, das ist Teil der Heilung oder unterstützt sie zumindest." Doch langsam rückt ihr Themenschwerpunkt weg von der schreibend betenden Verarbeitung ihrer Leidensgeschichte. "Ich denke immer mehr darüber nach, wie das ist mit Gott, was ich da glauben soll, und daraus entstehen dann die Texte."

Anne Granda
Engagiert 7/2002
Katholischer Deutscher Frauenbund Bayern


[Vorherige]   [Übersicht]   [Nächste]

Bereitet die Wege

Weitere Bücher

Kontakt