Carola Moosbach

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Moosbachs literarische Suche nach Gott
Kölner Autorin las im Cafe Himmelsleither -
Hochpolitische Kritik an der Institution Kirche

"Dass da eine Heimat zu finden wäre für die mit den richtigen Fragen" erträumt sich Carola Moosbach von der Kirche. Im Cafe Himmelsleither der Evangelischen Gemeinde Leithe erzählte die Autorin aus Köln vor allem von ihren eigenen Fragen und Schwierigkeiten bei der Suche nach Gott.

Als Kind wurde Moosbach von ihrem Vater sexuell missbraucht, schon allein deshalb sind ihr die traditionellen Bilder vom allmächtigen Vater, ja die ganze christliche Gottessprache mit ihren, wie sie sagt, patriarchalen Strukturen, nicht zugänglich. Nie hätte sie Gott so anreden können.
"Das war gleichzeitig der Ausgangspunkt für mein Beten und Schreiben", sagt sie. Ihre Gedichte sind oft auch Gebete, eine neue, moderne Sprache will sie darin finden, um Gott anders anzusprechen, "diese unbekannte Größe mit vier Buchstaben, die mir nicht aus der Seele will". Der Anfang von "Segensruf" ist ihr Programm: "Mach unser Beten lebendig, Gott; die müden Wörter, bring sie zum Tanzen."
Das Gottesbild ist bei Carola Moosbach weiblich, alte Muster will sie damit aufbrechen, provozieren und schließlich die Frau mit dem Mann gleichstellen. Dazu gehört auch eine gehörige Portion hochpolitische Kirchenkritik, wenn sich Moosbach Gedanken darüber macht, wo es mit der Kirche hingehen könnte, wenn nicht eine Veränderung stattfindet. Zwei extreme Entwicklungen seien möglich: eine fundamentalistische Sekte oder ein belangloser Verein, in dem Religiosität zum Hobby gerät.
Um ihre oft harte Sichtweise zu begründen, kann Carola Moosbach auch theologisch fundiert argumentieren. Doch daran liegt ihr wenig: "Für mich geht es nicht um eine Belehrung, das hier ist für mich eine zutiefst existenzielle Angelegenheit." Wenn Moosbach Tradition verdammt, in Grund und Boden stampft, bietet sie immer auch Alternativen an, wie sie sich Religion wünscht, denn an Kirche liegt ihr immer noch sehr viel. Ihre Liebe zu Gott will sie nicht allein erleben.
Musikalisch begleitet wurde die Lesung von Anna Ikramova am Klavier, die mit zum Teil sehr bedrückenden Melodien die Wirkung der Texte noch verstärkte. Im Anschluss stand Carola Moosbach noch für kontroverse Gespräche zur Verfügung.

Carsten Luther
WAZ-Wattenscheid, November 2002


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